Dukta – Wenn Holz Wellen schlägt

Rebekka Bräm 10.07.2026

5 Minuten

Architektur
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Dukta – Wenn Holz Wellen schlägt

Architektur

Eine Zufallsentdeckung, die das weltweite Akustikdesign revolutioniert: «dukta – flexible wood» ist ein einzigartiges patentiertes Einschneidesystem, das Holz fliessen und Klang strahlen lässt.

Holz per se ist bekanntlich ziemlich starr. Seit Jahrtausenden versuchen wir Menschen dies zu ändern – etwa indem wir es dämpfen und in die gewünschte Form zwingen oder indem wir dünne Schichten erst biegen und dann zusammenleimen. Oder man macht es wie Serge Lunin und versieht das Material mit sorgfältig platzierten Einschnitten, sodass sich Massivholz plötzlich verhält wie ein Stück Stoff.

Angefangen hat alles vor 20 Jahren an der Zürcher Hochschule der Künste. Lunin, ausgebildeter Schreiner und Werklehrer, unterrichtet dort Vermittlung in Kunst und Design. Als ein Student in seinem Abendkurs ein mehrfach verdrehtes Holzteil für eine Liege herstellen will, stösst er etwas an, das Lunins Leben verändern wird. Gemeinsam beginnen Dozent und Student zu forschen.

Serge Lunin – hatten Sie damals, als Sie mit Studierenden an der ZHdK experimentierten, eigentlich schon den Traum, daraus ein Unternehmen zu machen?

SL: Nein, gar nicht. Aber als wir nach ein paar Jahren das Potenzial erkannten, gründeten wir die Firma dukta gmbh. Es war sehr lehrreich, mich mit der harten Realität ausserhalb der ZHdK auseinander­zusetzen, eine Hochschule ist ja auch immer ein bisschen eine Parallelwelt.

Der Hauptgrund, weshalb aus der Spielerei ein florierendes Business wird, ist ebenfalls eine Fügung des Schicksals. Lunin stellt nämlich fest, dass seine Erfindung hervorragende akustische Fähigkeiten hat. Gerade in überakustischen Räumen wirkt sie Wunder und sieht dabei noch extrem gut aus. Und auch komplexeren Anforderungen wird dukta gerecht – so gesehen im Konzertsaal des Toni-Areals, dem ersten grossen Härtetest für das Projekt.

SL: Das war natürlich eine wichtige Erfahrung, weil wir gemerkt haben, wie gut es tatsächlich funktioniert. Die gewellten dukta-Wände absorbieren den Schall in allen Frequenzbereichen gleichmässig und ermöglichen auch eine gute Schallstreuung. Die unzähligen kleinen Rundungen, die durch die Einschnitte entstehen, bewirken einen lebendigen Klang, so wie in historischen Räumen die Stuckaturen.

Der Konzertsaal des Toni-Areals, das war 2014. Etwa zur gleichen Zeit wandert Serge Lunins langjähriger Geschäftspartner Christian Kuhn nach Dänemark aus und es stellt sich die Frage der Nachfolge. Lunins Sohn Pablo, zu dieser Zeit Produktdesigner im Chocolate Center of Excellence in Broc, findet, das Potenzial des Projekts sei noch nicht ausgeschöpft, und steigt mit ein.

Pablo Lunin – Hand aufs Herz. Wie einfach ist es, mit der eigenen Familie zusammenzuarbeiten?

PL: Wir sind uns sehr ähnlich und brennen beide für die handwerklichen und gestalterischen Aspekte der Arbeit.

SL: Aber wir ergänzen uns super in dem Sinn, dass Pablo alle unsere Prospekte, Fotos und die Website macht, während ich sehr viel Erfahrung habe mit Holz. Ich kenne das Material wirklich durch und durch und weiss, was es mitmacht und was nicht.

Manchmal lassen sich Vater und Sohn auch zu Projekten hinreissen. Als eine Anfrage aus Dubai für zwanzig weisse Trennwände kommt, sagen sie zu, ohne den Produktionsaufwand wirklich einschätzen zu können. Auf dem eigenen kleinen CNC-Bearbeitungscenter fräsen sie drei Wochen lang 16 000 Einschnitte in die MDF-Platten. Nach der Grundierung stellen sie fest, dass das Material zu rau für ein gelungenes Finish ist. Also bieten sie die ganze Familie auf und schleifen sich zwei Tage lang gemeinsam die Finger wund. Aus kommerzieller Sicht lohnt sich ein solcher Aufwand natürlich nicht, aber es ist eine wichtige Erfahrung mehr.

Wir brennen beide für die handwerklichen UND gestal­terischen Aspekte.
Portrait: Pablo und Serge Lunin

Portrait: Pablo und Serge Lunin

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Das Wort «Spiel» taucht immer wieder auf, wenn Sie über Ihre Arbeit sprechen. Wie viel Ihrer jahrzehntelangen Forschungsarbeit verfolgt ein klares, kommerzielles Ziel und wie viel ist reiner, spielerischer Zufall?

SL: Ja, das spielerische Forschen ist für mich zentral. In den ersten Jahren war dukta eine Art Hobby neben dem Unterrichten. Meine Forschung verfolgte aber über viele Jahre kein kommerzielles Ziel.

PL: Sobald man Investoren hat, muss man optimieren und skalieren, aber das ist gar nicht unser Ziel. Wir wollen auch unsere Tage nicht damit verbringen, jedem Plagiatsversuch hinterherzurennen.

Werden Sie für immer weiterexperimentieren oder ist das Potenzial von Holz mit Einschnitten irgendwann einfach ausgeschöpft?

SL: Bis jetzt jedenfalls ist es das nicht. Natürlich gibt es immer Einbahnstrassen, Ansätze, die zu nichts oder erst viel später zu etwas führen. Oft kommen wir auch über Anfragen oder ganz konkrete Probleme auf neue Ideen.

Dieser nie versiegenden Spielfreude entsprangen inzwischen auch wunderschöne Möbel und Leuchten. Es gäbe einige Ideen, die man im grösseren Stil produzieren könnte. Zum Beispiel die Lampe, die aus zwei farbigen MDF-Platten zusammengesteckt und vollkommen flach verschickt werden kann. Diese Produkte werden noch in kleinen Stückzahlen von den beiden in Zürich hergestellt. Ganz anders sieht es mit dem Akustiksystem aus.

Für dieses haben sie nämlich mittlerweile lizenzierte Herstellungspartner auf der ganzen Welt; dukta kommt vom Bundeshaus über Norwegen bis Boston, von der Londoner Design-Biennale bis zum Pariser Laufsteg zum Einsatz. Den grossen Erfolg bekommen die beiden Inhaber im Alltag allerdings gar nicht unbedingt mit.

PL: Die internationalen Projekte sind ja oft nur ganz am Anfang bei uns, danach hören wir lange nichts mehr und am Ende bekommen wir bestenfalls Fotos.

SL: Wir haben auch schon überlegt, mal eine Reise zu machen an all die Orte, wo dukta genutzt wird. Der Seaport in Boston würde mich reizen oder die Obama-­­Bibliothek in Chicago.

Das Vater-Sohn-Gespann bleibt auf dem Boden. dukta allerdings scheint gerade erst zum wirklichen Höhenflug anzusetzen.

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dukta – flexible wood
Hermetschloostrasse 70
8048 Zürich
076 527 87 56 dukta.com